Sei gegrüßt Fremder

So oder so ähnlich stellt man sich die Kontaktaufnahme mit einer fremden Spezies in alten Science Fiction Filmen vor. Auch wenn dies vielleicht etwas weit her geholt scheint, beschreibt dies doch sehr oft das Gefühl eines Autisten im Umgang mit nicht-autistischen Menschen - als würde man von einem anderen Planeten stammen.

In diesem Sinne möchte ich Sie auf meiner Website recht herzlich willkommen heißen. Ziel dieser Seite ist es, interessierten Menschen das "leichtere Spektrum" des Autismus näher zu bringen. Denn auch wenn die äußere (oberflächliche) Ausprägung durchaus als "leicht" anzusehen ist - die zugrunde liegenden Probleme und Defizite sind es nicht.

Auf den folgenden Seiten versuche ich den Alltag eines Asperger-Autisten möglichst anschaulich zu beschreiben und somit eine andere Sicht auf möglicherweise unverständliche Verhaltensweisen zu liefern. Denn meiner Meinung nach ist Verständnis für das Problem der beste Umgang damit.

Außerdem möchte ich einen detaillierten Überblick über den Asperger Autismus liefern, um einen tieferen Einblick in die Thematik zu ermöglichen.

Anders, als auf vielen anderen Websites verwende ich bewusst Begriffe, wie "Defizit" oder "Probleme". Denn genau um solche handelt es sich - auch wenn sich diese erst in der Interaktion mit der "normalen Welt" zeigen. Aber genau wie nicht-autistische Menschen sind wir ein Teil eben dieser Welt und müssen den ungleich schwierigeren Alltag ebenso meistern. Genau aus diesem Grund steht eine Vermeidung dieser Begriffe im Gegensatz zu einer Aufklärung über diese Thematik.

Über Lob oder konstruktive Kritik würde ich mich freuen.

Thomas Schneider

Heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise geben. Für die Autoren und "Schreiberlinge" unter meinen Lesern könnte dieser Beitrag vielleicht einen interessanten Einblick bieten. Wie sicherlich viele von euch, habe auch ich von Anfang an versucht, meinen individuellen Schreibstil zu finden und meine Arbeitsweise entsprechend an diesen anzulehnen. Dies stellt nämlich einen entscheidenden Faktor dar! Nur, wenn man eine für sich passende Arbeitsweise gefunden hat, schafft man es auch, schnell in seinen natürlichen Fluss zu kommen und effektiv zu sein. Nur, wenn man es schafft, ohne große Ablenkungen seine Gedanken zu sortieren und niederzuschreiben hat man beim nächsten Mal auch die Motivation weiterzumachen - man baut damit also auch Hürden ab, denen wohl jeder Autor irgendwann einmal (oder auch regelmäßig) begegnet.

Oder vielleicht doch? Das frage selbst ich mich jedes Mal, wenn mir dieser Ausspruch zu Ohren kommt. Tatsächlich mag diese Aussage vielleicht sogar ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Zumindest, wenn man sich rein auf die Essenz dessen konzentriert, was damit ausgedrückt werden soll.  Andererseits könnte sie dennoch nicht falscher sein. Relativiert, ja bagatellisiert sie doch die Probleme, mit denen sich Autisten Tag für Tag konfrontiert sehen in einem weitaus größeren Maße, als dass sie einen adäquaten Vergleich zum besseren Verständnis der Belastungen eines autistischen Alltags liefern würde.

Nein zu ABA

Liebe Leserinnen und Leser,

wir möchten Sie mit diesem Beitrag auf einen Sachverhalt hinweisen, gegen den wir im Namen derer, die sich von unserer Position vertreten fühlen, widersprechen wollen.

Der Bundesverband Autismus Deutschland e.V. sieht sich als Vertreter der Interessen von Autisten und Angehörigen.

In seinem Newsletter 08/2020 verlinkt der Bundesverband Autismus Deutschland e.V. auf die Website einer Person, die ganz klar der ABA-Lobby zuzurechnen ist. Die Ambition dieser Website ist es, ABA als Therapieform für Autisten zu propagieren.

Seit Jahren protestieren Autistinnen, Autisten, Angehörige und Fachkräfte weltweit gegen ABA. Sogar innerhalb des Bundesverbandes haben Regionalverbände offen Stellung gegen diese Therapieform bezogen (2015 beispielsweise hier - in dieser Stellungnahme finden Sie neben der ausführlichen Erklärung, was ABA ist, auch Erfahrungsberichte von Familien und Autisten mit dieser Therapieform).

Liebe Leserinnen und Leser,

da das Interesse meiner Leserschaft an Studien sehr groß zu sein scheint, möchte ich euch nun auch auf meiner Website über neue Studienanfragen informieren. Hierfür habe ich eine neue Kategorie "Studien" geschaffen, unter der Ihr die aktuellen Studienanfragen einsehen könnt. Zusätzlich gibt es natürlich auch weiterhin die Möglichkeit, dass Ihr euch für den entsprechenden Newsletter eintragen könnt, um keine Anfrage zu verpassen.

Mich hat eine Studienanfrage erreicht, die ich gerne mit euch teilen möchte. Durchgeführt wird die Studie von der University of Cambridge und soll erforschen, wie der Zugang für Autisten zum Gesundheits-, Bildungs- und Sozialsystem, sowie zum Arbeitsleben und Therapiemöglichkeiten gestaltet ist.

Die Studie wurde ursprünglich in englischer Sprache verfasst, liegt mittlerweile aber in mehreren Sprachen übersetzt vor - u.a. auch in Deutsch.

Selbsthilfegruppen sind für viele Menschen - gerade im Autismus-Spektrum - eine der wenigen Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und den so wichtigen Sozialkontakt zu pflegen.

Insbesondere in Krisenzeiten, in denen die grundlegende Versorgung, Zugang zu notwendigen Unterstützungsleistungen und der Kontakt zu Beratungsstellen und / oder Therapeuten nur eingeschränkt möglich, bzw. komplett weggebrochen ist, zeigt sich, welch' wichtige Stütze die Selbsthilfe darstellt. Sie ist eine der wesentlichen Stützpfeiler unserer Gesellschaft und somit systemrelevant!

Ich habe die Petition bereits unterzeichnet und möchte euch bitten, diese Petition ebenfalls mit eurer Unterschrift zu unterstützen.

https://www.openpetition.de/petition/online/selbsthilfegruppen-und-selbstorganisierte-initiativen-als-systemrelevant-einordnen

Vielen Dank im Voraus und herzliche Grüße

Thomas Schneider

Es ist wieder einmal etwas still hier geworden, aber das bedeutet nicht, dass auch Stillstand herrscht. Natürlich bin ich auch weiterhin in autistischer Mission unterwegs, um möglichst vielen Autisten die Stimme zu geben, die sie verdienen. Nur momentan eben eher leise 😉

Auch mich hat die Corona-Krise fest im Griff, aber keine Sorge, mir geht's gut. Es haben sich dadurch privat nur ein paar zusätzliche Verpflichtungen ergeben, denen ich zwar von Herzen gerne nachgehe, die aber dennoch viel von meiner Freizeit in Anspruch nehmen... und regenerieren sollte man sich zwischendurch ja auch, um wieder fit für die nächste Runde zu sein.

Daher dachte ich mir, ich bringe euch ein wenig auf Stand - insbesondere, da sich in den letzten Wochen tatsächlich ein paar sehr interessante Gelegenheiten ergeben haben und ich diese positiven Erlebnisse sehr gerne mit euch teilen möchte. Negatives gab es in letzter Zeit ohnehin genug.

Das aktuellste gleich vorneweg. Heute erschien im Jugendmagazin unserer Regionalzeitung ein toller Artikel mit den Interviews dreier Autisten und deren Schilderungen, wie es ihnen in der aktuellen Situation mit Corona erging und wie sie die vergangenen Wochen erlebt haben. Auch ich durfte ein paar Worte beisteuern und empfinde den Artikel als gelungen und "rund".
Ihr findet den Artikel in der "Freistunde" , die den jeweiligen Heimatausgaben des Straubinger Tagblatts der heutigen Ausgabe beiliegt. Ihr könnt die heutige Ausgabe unter https://idowa.de/ auch als ePaper erwerben.

UPDATE 10.06.2020: der in der Freistunde erschienene Artikel ist nun auch online zu lesen
[Straubinger Tagblatt - Freistunde] Wie drei Autisten mit den Veränderungen durch die Corona-Krise umgehen

Außerdem hatte ich das Vergnügen, ein Interview mit einem großen Magazin führen zu dürfen, das regelmäßig deutschlandweit erscheint. Das Thema war hier "Autisten im Film", dem ich mich gerne gewidmet hatte. Über die Veröffentlichung werde ich euch natürlich informieren, sobald ich selbst mehr darüber weiß.

Selbstverständlich ruht auch die Arbeit an der Autismus-Strategie nicht, auch wenn durch Corona aktuell keine Präsenztreffen möglich sind. Aktuell werden die Entwürfe der Empfehlungen erarbeitet und Angehörige, als auch Autisten begleiten diesen Prozess per Videokonferenzen. Wir sind also auch weiterhin am Ball und freuen uns schon, euch nächstes Jahr die Ergebnisse präsentieren zu können. Ich möchte euch an dieser Stelle noch einmal versichern, dass wir alles uns erdenklich mögliche tun, damit am Ende etwas Gutes dabei rauskommt, das das Potential hat, für ALLE Autisten eine Besserung zu bringen. Mein Dank geht an alle Angehörigen und Autisten (und selbstverständlich auch allen Fachkräften), die sich egal in welcher Form auch immer an der Erarbeitung der Strategie beteiligen aber auch unserer Projektleitung, die immer Zeit und ein offenes Ohr für unsere Anliegen findet. Ihr macht einen tollen Job!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen angenehmen Start ins Wochenende. Ich hoffe, euch geht's gut und ihr, bzw. eure Familien seid gesund. Danke für's lesen - alles Gute, euch!

Der diesjährige Welt-Autismus-Tag steht ganz im Zeichen der Corona-Krise und ist in seiner Geschichte wohl der erste, der in seinem Ablauf am ehesten einem "Autismus-Tag" entspricht.

In dieser Zeit ist es nämlich völlig in Ordnung, lieber für sich zu bleiben und größere Ansammlungen von Menschen zu meiden. Auch haben obligatorische Begrüßungsriten ihre vormals scheinbar ach so wichtige Bedeutung verloren. Plötzlich gehört es sogar zum guten Umgang, auf Händeschütteln und Umarmungen gänzlich zu verzichten. Warum war dies zuvor eigentlich ein solches Drama, wenn dies jemand nicht mochte?

Ich würde mir wünschen, dass ein Teil des Geistes aus dieser Zeit auch nach der Corona-Krise in unserer Gesellschaft weiterleben würde. Damit möchte ich nicht sagen, dass alle von nun an auf Begrüßungsriten verzichten und jeder alleine seiner Wege gehen soll. Nein, keinesfalls. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass es schlichtweg auch "danach" in Ordnung sein soll, wenn jemand auf Händeschütteln oder Umarmungen verzichten möchte und dieser jemand nicht etwa als unhöflich abgestempelt wird. Im Grunde also, dass es in Ordnung ist, seinen Alltag und seinen zwischenmenschliches Umgang so zu gestalten, wie es wichtig für den Einzelnen ist und nicht, wie es gesellschaftliche Konventionen für ihn vorsehen würden.

Eines wird in dieser Zeit nämlich sehr deutlich - eben solche Gepflogenheiten sind nicht in Stein gemeißelt und können sich auch sehr schnell ändern, wenn nur genügend Menschen an einem Strang ziehen. Was also hält uns auf, endlich damit anzufangen? Denn Eines muss uns allen klar sein - viele dieser vermeintlich notwendigen Konventionen sind nicht ansatzweise so wichtig, wie es uns von klein auf eingebläut wurde.

In diesem Sinne, bleibt zuhause und vor Allem, bleibt gesund!

P. S. allen Empfehlungen zu mehr physischen Abstand zum Trotz, möchte ich darauf hinweisen, dass damit nicht gemeint ist, auch jeglichen Anstand oder jegliches Gefühl des Miteinanders zu verlieren. Viren werden nicht durch Lächeln übertragen und ein freundlicher Gruß, wenn man sich bei einem Spaziergang begegnet, schadet ebenfalls niemandem - im Gegenteil. Gerade diese scheinbaren Kleinigkeiten schaffen eine Verbindung, die in dieser Zeit der Distanz so unglaublich wichtig ist. Mir ist zum Beispiel vor Kurzem jemand beim Spazierengehen entgegengekommen - mit festem Blick gen Boden gerichtet, ohne jegliche Regung oder Beachtung. Diese Entfremdung hat mich schwer schockiert.

Bleibt's also menschlich und schenkt's den Anderen ein Lächeln - ich bin sicher, ihr bekommt auch eines zurück.

Der diesjährige Fachtag der Hanns-Seidel-Stiftung zum Thema Autismus fand am 19. November statt. Mit über 350 Teilnehmern war dieser nicht nur lange vor Anmeldeschluss ausgebucht, sondern stellte auch wieder einmal die größte Fachtagung der Hanns-Seidel-Stiftung in diesem Jahr dar. Das Thema des Fachtages war heuer völlig der bayerischen Autismus-Strategie gewidmet. Alle Teilnehmer waren eingeladen, ihre persönlichen Anliegen und Ansichten als weitere Impulse in die weitere Strategieentwicklung einfließen zu lassen. Umso gespannter waren daher alle Beteiligten, wie die Öffentlichkeit auf unsere bisher erarbeiteten Empfehlungen reagieren würde. Aus diesem Grunde freut es mich außerordentlich, dass derart viel Interesse an unserer Arbeit gezeigt wurde und die Gespräche und Diskussionen durchweg konstruktiv verliefen.