Einblick in meine Arbeitsweise

Heute möchte ich euch einen kleinen Einblick in meine Arbeitsweise geben. Für die Autoren und "Schreiberlinge" unter meinen Lesern könnte dieser Beitrag vielleicht einen interessanten Einblick bieten. Wie sicherlich viele von euch, habe auch ich von Anfang an versucht, meinen individuellen Schreibstil zu finden und meine Arbeitsweise entsprechend an diesen anzulehnen. Dies stellt nämlich einen entscheidenden Faktor dar! Nur, wenn man eine für sich passende Arbeitsweise gefunden hat, schafft man es auch, schnell in seinen natürlichen Fluss zu kommen und effektiv zu sein. Nur, wenn man es schafft, ohne große Ablenkungen seine Gedanken zu sortieren und niederzuschreiben hat man beim nächsten Mal auch die Motivation weiterzumachen - man baut damit also auch Hürden ab, denen wohl jeder Autor irgendwann einmal (oder auch regelmäßig) begegnet.

Punkt 1: Schaffung eines möglichst ablenkungsfreien Schreibumfeldes

Halten wir also fest: eine ablenkungsfreie Atmosphäre, in der man sich wohl fühlt, ist ein entscheidender Faktor. Wie sich diese im Speziellen gestaltet, ist natürlich bei jedem Menschen unterschiedlich. Manche sitzen am Liebsten mit Tee oder Kaffee auf der Couch, andere bevorzugen hingegen, sich in eine Decke gehüllt auf einem Sessel zu fläzen. Wieder andere genießen die ruhige, aufgeräumte Atmosphäre eines Arbeitszimmers oder, oder, oder.

Bei mir hängt die Wahl des Schreibortes oft von meiner Tagesform ab. Der ADS-Anteil in mir lässt sich leicht durch Neues anspornen, um sich sogleich darauf zu stürzen und verleiht mir dadurch oftmals Energie und die nötige Konzentration, die ich ansonsten nicht hätte aufbringen können. So kommt es nicht selten vor, dass ich neben "normalen" Orten, wie dem Arbeits-, oder Wohnzimmer, dem Garten auch an ungewöhnlichen Orten beim Schreiben angetroffen werden kann. Darunter zählen (bzw. zählten vor Corona) auch belebte Cafés oder Restaurants.

Eines aber haben alle Orte gemein - jeder Ort, an dem dich die Muse küsst, ist ein guter Ort, um sich Zeit zu nehmen und die Gedanken niederzuschreiben. Denn oft ist es die Magie des Augenblicks, die Einzigartiges zu Tage fördert. Wie schade wäre es doch, diesen Gedanken ungeschrieben im Winde der Zeit verwehen zu lassen?

Punkt 2: die Arbeitsmittel

Gerade meine unstete Arbeitsweise und die wechselnden Orte machte es mir Anfangs sehr schwer, die passenden Arbeitsmittel zu finden. Diese sollten nämlich flexibel einsetzbar sein und eben keine feste Struktur erfordern. Zudem sollten Sie möglichst auf allen Endgeräten gleich verfügbar und miteinander kompatibel sein.

Der Weg in die Cloud

Meine ersten Artikel habe ich in LibreOffice verfasst und mit GoogleDrive synchronisiert. Solange ich nur am PC / Laptop geschrieben habe, stellte dies kein Problem dar. Zwischenzeitlich hatte ich lediglich der Krake meine Daten entrissen und wechselte zu meiner eigenen NextCloud-Lösung. War ich unterwegs in Cafés, habe ich meine Beiträge handschriftlich verfasst und diese dann zu Hause am PC abgetippt. Zettel haben allerdings den Nachteil, dass sie irgendwann unübersichtlich werden und auch im Nachhinein nichts dazwischen eingefügt werden kann. Das Chaos wuchs also allmählich.

So suchte ich also weiter nach einer Möglichkeit, meine Arbeitsmittel besser an meine Arbeitsweise anzupassen. Meinen Laptop überall hin zu schleppen, schied von vornherein aus - dafür war er einfach zu schwer und sperrig - für ein neues, platzsparenderes, aber dennoch ebenso leistungsfähiges Gerät war schlicht kein Budget vorhanden. Also entschied ich mich für ein günstiges Tablet mit Android, musste in diesem Zuge aber auch auf die Suche nach einem neuen Schreibprogramm begeben, da komplexe Office-Lösungen auf einem Tablet nicht praktikabel nutzbar sind.

Markdown

Nach einiger Recherche stieß ich auf eine Möglichkeit, reinen Text zu verfassen, ohne auf Formatierungen verzichten zu müssen - ich stieß auf die Auszeichnungssprache "Markdown", mit der ich ohne großem Schnickschnack meine Gedanken niederschreiben und Formatierungen einfügen konnte, ohne den Textfluss verlassen zu müssen.

Ein weiterer Bonus für mich war, dass mein Website-System "Contao", Markdown bereits nativ unterstützte und ich die so verfassten Artikel nur noch einfügen musste und diese ohne weiteren Eingriff richtig formatiert ausgegeben wurden.

Ein riesiger Vorteil von Markdown besteht darin, dass man es mit allen erdenklichen Textprogrammen oder Notiz-Apps erstellen kann - sogar auf Papier! Man hat also ein Format für alle Anwendungsfälle - perfekt.

P.S. Obwohl die Wahl der Applikation fur das Verfassen von Texten in Markdown irrelevant ist, entschied ich mich dennoch für einen Editor, der Markdown unterstützte. Eine Vorschau der Formatierung hilft mir beim Schreiben sehr.

Cloud-Synchronisation

Die Frage nach dem "Wie schreibe ich meine Texte" wäre somit also geklärt. Da ich meine Texte aber auf diversen Geräten verfasse und diese auch ggf. auf verschiedenen Geräten fortsetzen, bzw. bearbeiten möchte, stellte sich nun die Frage, wie ich meine Rohfassungen auf allen Geräten synchronisieren kann.

Hier stellte sich (nicht zum letzten Mal) meine Entscheidung für eine eigene NextCloud-Installation als entscheidender Vorteil heraus. So konnte ich relativ leicht eine Synchronisations-App auf meinem Tablett installieren und die Daten entsprechend mit meiner Cloud abgleichen. Allerdings war mir diese Art der Synchronisation etwas unsicher, da ich Sorge hatte, dass mir Daten abhanden kommen oder überschrieben werden könnten. Allerdings boten die Programme, mit denen ich auf dem Tablet arbeitete, unglücklicherweise keinen direkten Abgleich mit meiner Cloud. Auch war die Bearbeitung auf meinem Laptop / PC nicht so komfortabel möglich, wie ich es von meinem Tablet her gewohnt war. Eine nativere Lösung musste also her!

NextCloud

Diese bot sich zufällig mit einer Aktualisierung meiner NextCloud-Umgebung. Die Entwickler hatten die Vorteile von Markdown nämlich ebenfalls erkannt und begonnen, diese Stück für Stück in die Anwendung zu integrieren. Auch gab es nun eine mobile App, mit der ich meine Texte in Markdown verfassen konnte und die mit meiner NextCloud-Umgebung verknüpft war. Ich konnte nun also tatsächlich überall auf denselben Datenstand zugreifen, ohne mich um eine umständliche, eigene Synchronisation kümmern zu müssen. Mittlerweile hatte ich auch eine passende Desktop-Applikation gefunden, mit der ich ebenso komfortabel wie auf dem Tablet schreiben konnte - zusätzlich zur Möglichkeit, meine Texte im Browser in NextCloud bearbeiten zu können.

P.S. wie toll diese Umsetzung funktioniert, zeigt die Tatsache, dass ich diesen Beitrag gerade auf meinem Handy in der Badewanne tippe - der Nextcloud-Notes-App zum Dank. Später werde ich diesen Text dann auf meinem Laptop öffnen, und dort in meine Website einfügen. Ohne Zeitverzug. Ohne großer Umstände. Was für eine Erleichterung!

P.P.S. Na gut - ehrlicherweise muss ich gestehen, dass es in diesem Fall doch nicht so einfach war. Ich hatte beim Verfassen dieser Zeilen nämlich vergessen, dass ich dem Text diesmal auch Bilder hinzufügen wollte und dies ausnahmsweise doch etwas Nacharbeit erforderlich machte ;-)

Papiermensch

Alles wäre nun also perfekt, wenn - ja, wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär'. Trotz aller Optimierungen und technischer Finessen habe ich eines nie lassen können: den Drang, alles mit der Hand schreiben zu wollen. Mit Stift und Papier. So kam es, dass ich mein anfangs häufig genutztes Tablet immer seltener zur Hand nahm und stattdessen wieder häufiger meine Zettelwirtschaft habe aufleben lassen.

Genausowenig, wie ein eBook-Reader je ein Buch wird ersetzen können, so wird auch ein PC, Laptop oder Tablet niemals ein per Hand geschriebenes Wort ersetzen können. Mir bietet dies die Möglichkeit, mich voll in meine Gedanken zu vertiefen und mich, zusammen mit den Bewegungen meiner Hand, eins mit meinen Worten zu werden. Also auch hier - eine Lösung musste her!

Das Tablet zu verwenden, kam allerdings nicht in Frage, da es neben der unnatürlichen Haptik auch eine Vielzahl an Ablenkungsmöglichkeiten liefert, die ich vermeiden wollte.

Alternativ dazu hätte ich selbstverständlich meine Texte weiterhin auf Papier verfassen können, um diese dann abzutippen und diese dann - eine Zettelwirtschaft vermeidend - abzuscannen. Was für ein Aufwand! Auch hätte dies die anfangs geschilderten Nachteile nicht gelöst und nachträgliche Ergänzungen hätten erneut in Schmierereien geendet und zu nochmaligem Scannen des Textes geführt.

Einen Ausweg bot mir ein, für mich bislang unbekanntes Gerät, das mir ermöglichen sollte, meine Gedanken digital und dennoch mit Stift niederschreiben zu können. Die Werbung versprach ein "authentisches Gefühl, wie beim Schreiben auf Papier". Zu schön um wahr zu sein? Daher zögerte ich einige Monate - nicht zuletzt aufgrund des hohen Preises. Anfang des Jahres war es dann so weit. Ein neues Modell wurde angekündigt, welches der Hersteller mit einem Vorverkaufspreis bewarb, bei dem ich zuschlagen musste.

Nun halte ich mein reMarkable-Tablet nach fast einem dreiviertel Jahr Wartezeit seit gut einer Woche in Händen und möchte es schon jetzt nicht mehr missen müssen. Endlich ist es mir möglich, meine Texte handschriftlich niederzuschreiben, Ergänzungen anzufügen, wo immer ich es möchte - und alles ohne ein Zettelchaos zu verursachen. Ich kann meine "Notizbücher" einfach an NextCloud übergeben und dort aufbewahren. Außerdem kann ich mir PDFs auf das Gerät laden und dort mit meinen Notizen versehen - gerade für die Arbeit an der Autismus-Strategie wird dies eine große Erleichterung für mich darstellen.

Nicht, dass ich je aufhören werde, meine Arbeitsweise zu hinterfragen und anzupassen - aber ich glaube, dass ich vorerst angekommen bin.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!

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